Leser, #Leseverhalten und die Frage nach dem Huhn und dem Ei

Irgendwie ähnelt der Sachverhalt ein bisschen der Frage nach dem Huhn und dem Ei: Seit sich das Internet flächendeckend als Informationsmedium durchgesetzt hat, lässt sich eine Verknappung der Texte beobachten. Online-Texte sind im Vergleich zu Zeitungsartikeln des gleichen Ressorts häufig deutlich kürzer. Seien wir doch ehrlich: Wer von uns liest auch einen Online-Text, dessen Ende erst nach mehrmaligem Scrollen in Sicht ist? Das höchste der Gefühle ist es doch oft, den Text zu überfliegen oder anhand der Zwischenüberschriften in einen Absatz auf einer der folgenden Seite erneut einzusteigen.

Und wo kommt jetzt das Huhn? Tatsächlich frage ich mich, ob sich der Leser an Informationsvermittlung und Kommunikation à 140 Zeichen oder Verfasser an das geänderte Leseverhalten angepasst haben. Verschiedene Studien belegen den Trend zum oberflächlichen Lesen: Im Schnitt 19 Prozent aller Buchleser „überfliegen manchmal die Seiten und lesen nur das Interessanteste“. 1992 waren es noch 14 Prozent. Andererseits scheinen E-Reader die Berührungsängste bei Erstkontakt mit Büchern zu senken. Schließlich hält man keinen Wälzer mit den Ausmaßen des Branchenverzeichnisses von München in Händen, sondern ein schlankes Elektrogerät mit vielen Knöpfen.

Dass die Neuen Medien einen nachhaltigen Einfluss auf das Leseverhalten haben, lässt sich nicht wegdiskutieren. Junge Generationen an ein Leben mit dem geschriebenen Wort – on- und offline – heranzuführen, sei auch Aufgabe der Eltern, nicht erst der Schule, so Christiane Tullius von der Zeitungs-Marketing-Gesellschaft. Auch Professor Klaus Ring, Geschäftsführer der Stiftung Lesen, bestätigt: „Das Betriebssystem für die neuen Medien ist das Lesen.“

Dass Lesen attraktiv wird, haben nicht zuletzt die Verfasser der Texte mitzuverantworten. Gewinnen sie den Leser nicht mit dem ersten Satz, ist es unwahrscheinlich, dass er den zweiten lesen wird, geschweige denn den nächsten Absatz. Für Redakteure bedeutet das, den eigenen Text entsprechende leserfreundlich zu gestalten. Faktoren, die einen Text zu einem guten journalistischen Text machen, gelten für Print und Online gleichermaßen (Stichwort: Themenfindung, Perspektive, Aufbau, Einstieg). Bei Webtexten empfiehlt es sich zudem, auf Unterüberschriften, Zitatkästen, Bilder und eine adäquate Länge zu achten.

Apropos Zitatkästen: Die faz möchte bei einigen ihrer Leser beobachtet haben, dass sie just dann mit der Lektüre aufhören, wenn sie das hervorgehobene Zitat im Text gefunden haben. Folgerichtig dann auch die Expertenempfehlung, für den Kasten ein Zitat zu wählen, „das erst weit hinten im Artikel auftaucht. Oder, ganz pfiffig, eines, das gar nicht vorkommt.

Keep it simple, keep it short: Welche Inhalte funktionieren auf Facebook?

Endlich eine Studie aus dem deutschsprachigen Raum!“, jubiliert allfacebook.de in seinem kürzlich veröffentlichten Post. Eine Studie? Ja, und zwar zu der Frage welche Inhalte auf Facebook funktionieren und wie die Viralität beeinflusst wird. Um dieser Problematik auf den Grund zu gehen, hat das Team von vi knallgrau aus Wien die unglaubliche Zahl von 2.324 Post auf den Unternehmens-Facebook-Seiten von 100 B2C Marken (50 Consumer Brands, 50 Retail Brands) aus Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert und ist zu teilweise unerwarteten Ergebnissen gekommen. Hätten Sie beispielsweise erwartet, dass Videos und Links die Viralität negativ beeinflussen?

Aber von Anfang an: Unter Viralität versteht man das Verhältnis der Reaktionen auf einen Beitrag im Vergleich zur aktuellen Fanzahl der Seite. Knallgrau errechnete an Hand der Formel (Likes + Shares + Kommentare) geteilt durch die Fananzahl multipliziert mit 100 einen durchschnittlichen Viralitätsfaktor von 0,23 Prozent, an welchem die im Laufe der Studie erhaltenen Werte abgeglichen werden können.

Zunächst wurde die Häufigkeit untersucht, mit der Beiträge eingestellt werden. Dabei zeigt sich, dass Unternehmen, die zwischen einem und zehn Posts im Monat veröffentlichen, einen deutlich höheren Viralitätsfaktor (0,54%) erreichen Mehrmals-täglich-Poster (0,08%). Unternehmen, die Facebook üblicherweise während der Geschäftszeiten bedienen, sollten sich überlegen, Posts auch mal auf den heiligen Sonntag zu terminieren. Mit einem Viralitätsfakor von 0,33 stehen die Chancen dann nämlich überdurchschnittlich gut, Kunden zu erreichen. Nicht neu, aber anhand der Zahlen eindrucksvoll belegt: Fassen Sie sich kurz! Ab vier Zeilen Länge sinken die Leserreaktionen unter Durchschnitt. Bilder sagen mehr als … Naja, auch das klingt bekannt, oder? Zudem: Fragen Sie nach der Meinung Ihrer Fans! Umfragen erzielen einen signifikant höheren Wert. In abgeschwächtem Maße ist diese Tendenz auch bei direkten Fragen und Aufforderungen zu beobachten.

Im Hinblick auf die Formulierung trifft auf Facebook-Beiträge das Gleiche zu wie auf Zeitungsartikel oder Webcontent: einfach, konkret, emotional. Auch funktionieren persönliche Inhalte aus dem Unternehmensalltag im Hinblick auf die Viralität deutlich besser als werbliche Inhalte. Wenn es um die grafische Darstellung geht, darf es auch gerne mal ein bisschen mehr sein: doppelt so breit, genauer gesagt. Allerdings sollte man diese Möglichkeit nicht überstrapazieren, da sonst eine Abnutzungsgefahr besteht.

Wen dieser kurze Einblick neugierig gemacht hat, findet die gesamte Studie vom Gratis-Download hier.

 

Konsumverhalten: Für was geben wir morgen unser Geld aus?

Aus dem Bericht des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass im deutschen Durchschnittshaushalt 14,2 Prozent der Gesamtausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren getätigt werden. Die untersuchten Lebensmittelkategorien wiesen unterschiedlich starke Schwankungen der Verbraucherpreise auf (bei Speisefetten und -ölen 39,3 Prozent und bei Zucker, Marmelade, Süßwaren u. ä. immerhin elf Prozent). Da fragt man sich doch, wie das wohl weitergeht. Zwar sind die Industrienationen in weitaus geringerem Maße von Preisschwankungen im Lebensmittelbereich betroffen als etwa Entwicklungsländer, die ihr Geld hauptsächlich für Nahrungsmittel ausgeben. In Deutschland schlagen hingegen verstärkt Faktoren wie Wohnung und Energie, Verkehr sowie Freizeit und Kultur zu Buche. Allerdings zeichnen sich auch in anderen Bereichen spannende Veränderungen im Ausgabenmuster ab.

Horizont hat in der Print-Ausgabe vom 8. Juni ebenfalls einen virtuellen Warenkorb gepackt, anhand dessen die Branchenzeitung eine Prognose zur Konsumwelt im Jahr 2020 wagt. Dafür wurde die Weltbevölkerung in vier Einkommensgruppen mit je drei verschiedenen Konsummustern eingeteilt: Grundverbraucher, aufstrebende Verbraucher, wachsende Verbraucher und etablierte Verbraucher. Während vor einer Dekade Goldman-Sachs-Analyst Jim O’Neill noch Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) im Verdacht hatte, in absehbarer Zukunft hinsichtlich der Wirtschaftsleitung die G8-Staaten zu überflügeln, richtet sich das Augenmerk mittlerweile bereits auf die Nachfolgegeneration der Big Four: Die Next Eleven, unter ihnen der Iran, Mexiko und Vietnam, könnten im Jahr 2020 zur Gruppe der aufstrebenden Verbraucher gehören und mit 3,4 Milliarden Menschen fast zehn Billionen US-Dollar ausgeben. Neben der Befriedigung der Grundbedürfnisse fließen (abhängig von Einkommenshöhe und individuellen Wünschen) Ausgaben in Bildungsmaßnahmen, hochkalorische Nahrungsmittel und Güter des täglichen Gebrauchs sowie Genussmittel und Telekommunikation.

Deutschland befindet sich schon heute in der Gruppe der etablierten Verbraucher und daran wird sich auch bis 2020 nichts geändert haben. Mit einem durchschnittlichen BIP pro Kopf von 25.800 Euro wird diese Gruppe für 63 Prozent der Gesamtausgaben verantwortlich sein, das entspricht rund 25 Billionen US-Dollar die vornehmlich in die Bereiche Kommunikation, Gesundheit, Urlaub, Freizeit und Statusprodukte fließen. Während sich der Markt auf eine rückläufige Nachfrage im Bereich Kleidung einstellen sollte, werden massive Zuwächse im Bereich Kommunikation (von 48 Milliarden auf 84 Milliarden US-Dollar) und Gesundheit (von 97,5 Milliarden auf 151,5 Milliarden US-Dollar) erwartet.

Bezugnehmend auf: Horizont 8.6.2012 / Nr. 23 S. 21

Redaktionelle Türöffner in Online-Zeitalter

Die dpa-Tochter news aktuell GmbH hat sich auf die Suche nach Antworten auf Fragen begeben, die die deutsche Medienwelt umtreiben, um herauszufinden ‘wie die Medien und das Internet ticken‘. Ihre aktuelle Umfrage ‘Recherche 2012 – Journalismus, PR und multimediale Inhalte’, an der Ende letzten Jahres bundesweit 1.412 Journalisten aller Mediengattungen teilnahmen, beschäftigte sich mit dem veränderten Rechercheverhalten im multimedialen Zeitalter: Wo recherchieren Journalisten? Welche Materialien nutzen sie? Wie wichtig sind ihnen Bilder, Videos oder weiterführende Links?

Die Antworten waren eindeutig: 72 Prozent der befragten Redakteure sprachen sich klar für ergänzende Hinweise, Begleitmaterial und ausführliche Zusatzinformationen aus. Als hilfreiches Begleitmaterial verstehen sie weiterführende Links (76 Prozent), Studienergebnisse, Geschäftsberichte oder Tabellen als PDF-Anhang (72 Prozent), Infografiken (70 Prozent) und nicht zuletzt natürlich immer wieder Bilder, Bilder, Bilder (85 Prozent).

Auch bei der Frage nach der Informationsquelle – ein wesentlicher Punkt für ‘Sender’, die sich angesichts des Informationsüberangebots immer wieder fragen müssen, über welchen Kanal sie Journalisten am effizientesten erreichen – brachte die Umfrage einige erhellende Ergebnisse zu Tage. ‘Journalisten suchen häufig nach Themen, nicht nach Unternehmen.‘ Das bedeutet in der Praxis, dass zwei Drittel der Redakteure lediglich selten oder sogar nie zu Recherchezwecken auf die Unternehmenswebseite surfen. Als alternatives Recherchetool dienen Medientätigen verstärkt Suchmaschinen, E-Mail-Themenpools, Nachrichtenagenturen, RSS-Feeds und nicht zuletzt auch soziale Netzwerke. 41 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal in der Woche bei Social-Media-Diensten wie Facebook, YouTube, Google+ und Twitter auf Themenjagd zu gehen.

Recruitment & Facebook: Soziale Netzwerke sind nicht nur Privatvergnügen

Die ganze Welt ist eine Bühne und das Internet hat es den Schaustellern in den letzten Jahren leicht gemacht, sich selbst zu promoten. Leser mit spannenden Einblicken auf den Privat-Blog zu locken, mit einem aussagekräftigen Profil und regelmäßigen Posts auf Facebook zu überzeugen oder seine Follower auf Twitter über aktuelle Geschehnisse zu informieren und Webfundstücke zu teilen: Die entsprechenden Tools sind da und schreien förmlich nach kreativer Nutzung.

Dass man die eigene Kreativität mit Bedacht einsetzen sollte, ist ein offenes Geheimnis, weiß man doch nie genau, wer am anderen Ende der Leitung mitliest. Zweifelsohne existiert auch irgendwo eine Statistik darüber, wie viele Beziehungen auf Grund unbedacht eingestellter Fotos auf Facebook in die Brüche gegangen sind. Die vorliegende Studie jedoch beschäftigt sich damit, wie Arbeitgeber soziale Netzwerke nutzen, um sich ein Bild vom Bewerber zu machen. Der englischsprachige Blog ‘The Reppler Effect’ hat zu diesem Zweck 300 Recruiting-Experten interviewt. Das Ergebnis: Über zwei Drittel der Befragten machen die Entscheidung, ob sie einen Bewerber einladen oder ablehnen, nicht zuletzt davon abhängig, was sie auf dessen Facebook- und Twitterkonto finden. Und das zu 49 Prozent bereits bei Eingang der Bewerbung, also noch bevor der Kandidat die Gelegenheit hatte, im persönlichen Gespräch zu überzeugen.

Doch nicht nur die Fotos der letzten wilden Party könnten bei einem möglichen zukünftigen Arbeitgeber auf Ablehnung stoßen. Egal, wie sehr man sich über den letzten Chef geärgert hat: ‘employer bashing’ ist keine wahnsinnig gute Idee, seinem Frust Luft zu machen, auch nicht auf Facebook, das viele User eher für den Hausgebrauch nutzen. Denn interessanterweise fällt die Wahl der Unternehmer bei der Vorselektion vermehrt auf Facebook und Twitter und keineswegs auf professionelle Netzwerke wie LinkedIn oder Xing, die von potentiellen Bewerbern als die bevorzugten Plattformen für die Anbahnung von geschäftlichen Kontakten gesehen werden.

Studie ‘Future of Content': Defizite bei Social Media in Unternehmen weltweit

Das Social Web hat die Marketinglandschaft in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Kein anderes Kommunikationsinstrument ist so weitreichend in seiner Bedeutung und offeriert Unternehmen so vielseitige Möglichkeiten im Hinblick auf Bekanntheit, Image- oder Kundenpflege und -kontakt. Und doch scheint es, als werde diese neue Option von Unternehmen international vernachlässigt.

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#cul8r: See you later – die Sprache der Neuen Medien

Mit der raschen Verbreitung des Internets hat sich auch die Mediennutzung der Jugendlichen verändert. Knapp 60 Prozent der 14- bis 19-Jährigen sind täglich in Communities wie Facebook, StudiVZ & Co. aktiv, 40 Prozent immerhin wöchentlich. Dazu kommen in Deutschland über 34 Milliarden versendete SMS allein im vergangenen Jahr. Die zunehmende Nutzung der neuen Medien schlägt sich aber auch in der Sprache nieder.

Beim Chatten per Messenger oder beim SMS schreiben muss es schnell gehen. Für Kommasetzung, korrekte Orthographie oder ausformulierte Sätze bleibt wenig Zeit und Raum. Emotionen werden in kryptische Akronyme gepackt, die auf Nicht-Eingeweihte wie Hieroglyphen wirken. Das Kürzel ‘hdl’ für ‘hab dich lieb’ gehört dabei noch zu den bekanntesten Abkürzungen, die mittlerweile auch über die Jugendkultur hinaus geläufig sind.

Dass es aber auch noch abstrakter geht, zeigt der Aufsatz einer 13-jährigen Schülerin aus Schottland. Er ist komplett in SMS-Sprache geschrieben:

‘My smmr hols wr CWOT. B4, we used 2go2 NY 2C my bro, his GF & thr 3 :- FTF. ILNY, it´s a gr8 plc.’

Übersetzung: ‘My summer holidays were a complete waste of time. Before, we used to go to New York to see my brother, his girlfriend and their three screaming kids face to face. I love New York, it’s a great place.’

Zugegeben, das oben gezeigte Beispiel ist ein Extremfall und dürfte die Ausnahme bleiben. Es ist eher als Maximum des Möglichen anzusehen. Dass diese Form der Kommunikation aber selbst die Hüter der Sprache beschäftigt, zeigt das Duden-Werk ‘Von *hdl* bis *cul8r* – Sprache und Kommunikation in den Neuen Medien’, in dem renommierte Autorinnen und Autoren die Einflüsse neuer Medien- und Kommunikationsformen auf den sprachlichen Alltag unter die Lupe nehmen.

In Zeitungen und Zeitschriften häufen sich derzeit Artikel, die den Sprachverfall durch die neuen Medien prophezeien. Die Lesekompetenz der Jugendlichen habe abgenommen, das Ausdrucksvermögen sei schlechter geworden und die Rechtschreibung ungenügend, lauten die gängigen Vorwürfe. Als Ursache dafür werden immer wieder die häufige Computernutzung und die damit verbundene spontane und dialogische Kommunikation genannt.

Experten weisen dagegen darauf hin, dass diese neue Form der Kommunikation lediglich medial bedingt ist und dem Ökonomieprinzip unterliegt. Der Chat erfordert ein schnelles Reagieren, mit vielen Abkürzungen und auch emotionaleren, spontaneren Äußerungen, die vorzugsweise in Form von Emoticons ausgedrückt werden. Bei SMS-Nachrichten kommt zusätzlich der Kostenfaktor hinzu. Viel Information auf wenig Raum lautet daher die Devise. Das spart Geld und geht schnell.

Zudem weckt die Kürzel-Kommunikation bei vielen Jugendlichen die Lust am Schreiben. Schüler, die früher keine drei Zeilen aufs Papier gebracht haben, schreiben seitenlange Mails oder führen lange Konversationen in Chats. Aus dieser Perspektive wird ein klarer Zusatznutzen erkennbar: Die Jugendlichen schreiben und lesen entgegen der Vorwürfe mehr. Und auch hier gilt: Übung macht den Meister. Wer viel schreibt und liest, schult auch seine kommunikativen Fähigkeiten.

Im Hinblick auf die Verwendung von Chat-Kürzeln kann also auch argumentiert werden, dass deren Verwendung die Fantasie anregt. Wer ‘cul8r’ statt ‘see you later’ schreibt, stellt damit auch seine Fähigkeiten, abseits der gängigen Normen zu denken, unter Beweis. So lange diese Formulierungen bewusst nur in den Chats verwendet und nicht Teil der Alltagskommunikation werden, dürfte also kein Grund zur Sorge bestehen. Auch Sprachwissenschaftler attestieren: kein Grund zur Panik. Die Nutzer seien in der Lage, zwischen verschiedenen Kommunikationssituationen zu unterscheiden und würden somit je nach Medium und Anlass auch in einem anderen Stil schreiben.

Von Sprachverfall zu reden, ist deshalb unbegründet. Neue Medien erfordern auch neue Formen des Schreibens und diese existieren parallel zur Standardsprache und bereichern diese eher, als sie zu verdrängen. In diesem Kontext sollte also eher von Sprachwandel als von Sprachverfall die Rede sein.

Dass die Verwendung von Kürzeln gar nicht so neu ist, beweist auch das um 1847 erschienene Gedicht ‘Essay to Miss Catharine Jay’ von Charles C. Bombaugh. Es ist durchgehend im SMS-Stil verfasst:

Now fare U well dear K T J,                              Now fare you well dear Katie J,
I trust that U R true;                                            I trust that you are true;
When this U C then you can say,                    When this you see then you can say,
An S A I O U.                                                        An essay I owe you.

Das Gedicht dürfte zu dieser Zeit ebenso für Empörung unter Sprachpuristen gesorgt haben wie die heutige Verwendung der Kürzel in Chat- und SMS-Konversationen. Einen Untergang der britischen Sprache hat es jedoch nicht bewirkt.

source: freeday @ pixelio.de

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